Reflektierter Indie-Shoegaze aus Köln

 

“Oh tyrants, your time is up now!

 

Energisch skandiert und ersehnt die Kölner Band Louder Than Wolves auf der Single Tyrants“ das Ende einer Tyrannei. Angesprochen fühlen dürfen sich nicht nur die Protagonisten der beliebten Spielkarten-Quartetts; Donald Trump, Xi Jinping & co. Genauso prangert das junge Trio jene Missstände an, die in der Mitte der Gesellschaft entstehen und die wir alle gedeihen lassen: Optimierungswahn, Ausgrenzung und Realitätsflucht.Malfunctions“ nennen sie folgerichtig ihre neue EP, die Anfang Dezember erscheinen wird.

 

Darauf hören wir vier Songs, die hauptsächlich an internationale Alternative- und Shoegaze Bands wie die Black FoxxesThrice oder We Were Promised Jetpacks erinnern. Zerbrechlichkeit trifft auf Wall of Sound, Indie- Songstrukturen auf Unberechenbarkeit.

 

Diese Vielseitigkeit erinnert uns an die ebenfalls Kölner Gruppe SPARKLING, die derzeit mit ihrem Debütalbum einiges Aufsehen erregt. Weiter sucht man Parallelen bei Acts wie Adam Angst oder Fjørt, doch so recht lassen sichLouder Than Wolves keiner der heimischen Strömungen zuordnen. Zu britisch-amerikanisch klingen die Malfunctions“ der lauten Wölfe und schließlich singt Oliver Schmitz in englischer Sprache - mit einer klaren, aufrichtigen und immer meinungsstarken Stimme: “Oh something ain’t right with me / But maybe that’s just okay”

 

Diese sinnbildliche Zeile stammt aus dem Lied A(typical)“ und ist ein Bekenntnis für die Unperfektheit, für das Eingestehen von Fehlern und die Akzeptanz eines Anderssein. Louder Than Wolves wollen dazu ermutigen, sich selbst und anderen gegenüber offen zu sein. Das Verschweigen von Ängsten, Fehlern und Missständen führe zu persönlichen wie auch gesellschaftlichen Problemen. Es brauche Mut, um offen auszusprechen, was im Argen liegt und um negative Konnotationen umzukehren.

 

Zu dieser wichtigen Debatte leisten Louder Than Wolves einen inhaltlich pointierten und musikalisch erfrischenden Beitrag. Wie ließen sich die Tyrannen, seien es innere Dämonen oder äußerliche Gepflogenheiten, besser überwinden als auf einem Rockkonzert? Dazu Oliver Schmitz: “Wir fanden die Vorstellung einfach gut, dass das Publikum auf unseren Konzerten laut mitsingt: “Oh tyrants, your time is up now!””